Mai 2020

PATIENT AKTIV!

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Persönliche Therapiebegleitung in Corona-Zeiten? Aber sicher!

Telecoaching ist unser Metier


Ungewöhnliche Zeiten – kreative Lösungen:

 

 

 

 

Persönliche Therapiebegleitung in Corona-Zeiten? Aber sicher!

 

Viele Patienten in einem Therapiebegleitprogramm haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19. Ausgangsbeschränkungen sowie Kontaktsperren dienen zu ihrem unmittelbaren Schutz. Sind also Hausbesuche bei diesen Patienten mit schweren chronischen Erkrankungen auch während der Corona-Pandemie sinnvoll oder überhaupt machbar? Marie Sommer vom mobilen Schwesterndienst der Vitartis schildert im Gespräch mit Patient Aktiv!, wie der persönliche Kontakt in der aktuellen Krise aufrechterhalten wird.

 

Frau mit Tablet

 

Patient Aktiv!: Wie hat sich Ihre Arbeit durch die Corona-Pandemie verändert?

Marie Sommer: Bis vor wenigen Wochen sind wir alle regelmäßig persönlich zu den Patienten gefahren. Seit Mitte März 2020 reduzieren wir direkte Kontakte mit den Patienten so weit wie möglich. Dabei gehen wir ähnlich wie Kliniken und Arztpraxen vor: Kontroll- und Routinebesuche verschieben wir. Fragen von Patienten klären wir kontaktlos. Benötigt ein Patient aber zum Beispiel dringend eine grundlegende Einweisung in die Applikation eines Medikaments, um seine lebenswichtige Therapie fortzuführen, hält der Kollege Rücksprache mit dem behandelnden Arzt: Ordnet dieser einen Hausbesuch an und ist der Patient ebenfalls einverstanden, wird der Besuch unter Berücksichtigung der größtmöglichen Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt.

PA!: Wie haben Sie die Umstellung in den Corona-Modus erlebt?

MS: Am Anfang gab es im Team viele Fragen zur praktischen Umsetzung. Digitale Medien nutzen wir glücklicherweise schon lange – etwa für interne Schulungen und digitale Meetings. Das war für uns von Vorteil. Über diese Kanäle können wir Erfahrungen austauschen, Probleme diskutieren und schnell praktikable Lösungen erarbeiten. Bei persönlichen Besuchsfahrten half uns ein Begleitschreiben, dass uns als medizinisches Personal ausweist, wenn es zu Kontrollen kam. Wir sind zudem bestens mit unseren Kollegen vom Serviceteam vernetzt und arbeiten bei Bedarf Hand in Hand. Einige Kollegen engagieren sich auch privat und nähen in ihrer Freizeit zum Beispiel einfache Mund-Nase-Masken aus Stoffresten, die sie an Patienten verteilen, die keine Möglichkeit haben, Masken zu bekommen.

PA!: Was bieten Sie den Patienten an, die Sie nicht besuchen können?

MS: Herzstück unserer Arbeit ist das Vertrauensverhältnis, das wir zum Patienten aufgebaut haben. Wie wir jetzt weiter miteinander kommunizieren, entscheiden wir individuell mit jedem einzelnen Patienten zusammen. Einige ziehen es ganz klassisch vor, zu telefonieren – manche sind auch nur über Festnetz erreichbar. Viele nehmen unser Angebot zur Videotelefonie an. Selbst ältere Patienten stehen diesen Kanälen zunehmend offen gegenüber und nutzen zum Beispiel ihr Tablet dafür. Das eröffnet auch neue Möglichkeiten: Patienten zeigen uns, wie sie ihr Medikament anwenden und wir können sie coachen oder Tipps geben. Besonders unseren Telefon-Patienten empfehlen wir Anwendungsvideos oder Informationsportale der entsprechenden medizinischen Fachgesellschaften. Den dazu gehörigen Link senden wir ihnen zu und wenn sie das Video angeschaut oder die Informationen gelesen haben, besprechen wir sich daraus ergebenden Fragen am Telefon.

PA!: Wie sieht Ihr vorläufiges Fazit aus?

MS: Wir können die schwierige Zeit gut überbrücken und stehen weiter eng an der Seite unserer Patienten. Aber eins ist auch klar: Es gibt keinen vollwertigen Ersatz für den Live-Kontakt. Daher freuen wir uns darauf, die Patienten bald wieder vor Ort zu unterstützen.

 

Kontaktlos = pandemiegerecht:

 

 

Telecoaching ist unser Metier

Die Corona-Pandemie stellt unser Leben auf den Kopf. Besonders Patienten mit Vorerkrankungen sind zutiefst verunsichert und haben viele Fragen, die ihre Gesundheit und damit auch ihre Basis-Therapie betreffen. Eine derzeit besonders häufig gestellte Frage: „Sollte ich meine Medikamente jetzt nicht lieber absetzen?“

„Bitte nicht, ohne mit Ihrem behandelnden Arzt Rücksprache zu halten.“ Das ist eine der wichtigsten Botschaften der Patienten-Coaches vom Vitartis-Serviceteam. Und damit sind sie aktuell eine wichtige Unterstützung für die Patienten bei der Fortführung ihrer Therapie.

Für das Vitartis-Serviceteam ging die Umstellung auf den Corona-Modus schnell und problemlos. Sie sind – mit noch mehr Engagement als bisher – weiter für die Patienten da. Die digitale Kommunikation ist schließlich seit Jahren für alle Daily Business.

Die Kanäle

Tatsächlich ist die klassische Telefonie aktuell der am meisten genutzte Kanal in den Therapiebegleitprogrammen. Die Telefon-Coaches sind speziell geschult und arbeiten mit erprobten Gesprächsmethoden auf der Basis von Motivational Interviewing. Diese beinhalten auch bewährte Checklisten, damit kein Detail vergessen wird. Da sie ihr Gegenüber nicht sehen, müssen sie alles erfragen. Bei einer erstmaligen Anwendungsschulung werden zum Beispiel oft zwei kurz hintereinander liegende Telefonate geführt: Das erste Telefonat dient zur Vorbereitung und Sicherstellung, dass alle Utensilien für die Schulung vorhanden sind. Erst das zweite Gespräch dreht sich komplett um die Schulung auf die Therapie. Dieses Vorgehen steigert die Erfolgsrate.

Neben dem Telefon kommen auch Messenger-Dienste zum Einsatz. Die dazugehörigen Videomodule erlauben neben dem auditiven auch einen visuellen Kontakt. Das hat große Vorteile bei Patientenschulungen, denn hier können die Coaches mit einem Blick erfassen, ob etwa die Mimik des Patienten zu seiner Antwort passt. Viele Patienten-Neueinstellungen werden so erfolgreich über Videotelefonie gecoacht. Face-to-Face lässt sich auch das so wichtige Vertrauensverhältnis leichter aufbauen.

Einnahmeerinnerungen oder andere Kurzinfos werden vorzugsweise über Chat oder E-Mail versendet und selbst der klassische Brief kommt bei den Zielgruppen gut an. Diese Medien gewährleisten den regelmäßigen Austausch zwischen Coach und Patient.

Frau mit Headset

Die Fragen

Ob Multiple Sklerose, pulmonale Hypertonie oder Hämophilie – viele komplexe Erkrankungen können das Risiko erhöhen, schwer an COVID-19 zu erkranken. Da oft Immunmodulatoren eingesetzt werden, wollen die Patienten aktuell auch wissen, ob ihre Therapie angepasst oder ausgesetzt werden sollte. Hier fungieren die Coaches als vertrauenswürdige Ratgeber und zugleich als wichtige Lotsen: Sie verweisen auf gesicherte Informationen der entsprechenden Fachgesellschaften oder leiten deren zentrale Statements zu Risiken und Therapieempfehlungen weiter. Geduldig erklären sie den Patienten immer wieder, warum es so wichtig ist, sich mit ihrem behandelnden Arzt abzustimmen. Durch solche Impulse unterstützen die Coaches den Arzt und die Patienten bei der Durchführung der Therapie.

Nach der ersten Welle mit sogenannten W-Fragen nimmt gerade eine zweite Welle mit ganz anderen Anliegen Fahrt auf: Immer mehr Patienten leiden enorm unter der verschärften Isolation. Für viele war die Teilnahme am sozialen Leben schon vor Corona reduziert – jetzt bricht sie oft völlig zusammen. Für diese Risikogruppen ändern auch aktuell die ersten Lockerungen der Kontaktsperren zunächst einmal wenig. Depressive Episoden können sich negativ auf die Therapie auswirken. Die Patienten-Coaches haben immer ein offenes Ohr und stehen den Patienten bei der Bewältigung dieser belastenden Begleiterscheinungen zur Seite. Professionell leiten sie die Patienten an, vermitteln bei Bedarf weitere Hilfsangebote und tragen so dazu bei, dass die Patienten möglichst gut informiert und motiviert durch die Krise kommen.

Patientencoaching digital + persönlich

Digitale Patientenprogramme gewinnen als effektives Instrument für Therapiebegleitung in der aktuellen Corona-Krise weiter an Bedeutung: Die eingesetzten digitalen Tools funktionieren unabhängig von Kontaktbeschränkungen, wie wir sie aktuell erleben. Sie können je nach Erkrankung und Zielgruppe passgenau ausgewählt, zusammengestellt und mit den Angeboten der persönlichen Therapiebegleitung ergänzt und vernetzt werden.

Sprechen Sie uns an – wir geben Ihnen gerne weitere Einblicke.